Eisler-Ecke

Der Komponist Hanns Eisler (1889 – 1962) imponiert mir besonders wegen seines 4-jährigen Studiums bei Arnold Schönberg, dem 12-Ton-Komponisten, dessen Schule sich in allen seinen Werken wieder findet.  Möglicherweise fehlt den Stücken der Gesang?  H. Eisler  war jahrzehntelang mit Berthold Brecht eng befreundet –  eine große Anzahl Lieder sind B. Brecht zu verdanken, die Eisler vertont hat.   

Die Kompositionen sind Kunstwerke und  sollten auf keinen Fall nur “als Begleitung” gehört werden. Ich versuche hier mangels eigener guter Stimme eine Version mit Klavier und E-Violine bzw. Querflöte,  ganz nach meiner Facon und hoffe, dem Werk genügend Respekt entgegen zu bringen.  Sowohl beim Üben, Einspielen wie Hören ziehen mich seine Werke bis auf den Grund magisch an, zumal  verminderte oder übermässige Quinten, Nonen und Major-Akkorde in jeder Tonart vorkommen, die erweiterten Harmonien, die im  Jazz-Bereich zum guten Ton gehören.    

Das Klavier zum “Lied der Kupplerin” von Hanns Eisler habe ich selbst erstmals im Februar 2018 eingespielt, die neue Version Mitte Mai 2018.  In diesem Beispiel, das auch gut zum Karnevals-Wochenende  passt,  singt eine “Dame des Ältesten Gewerbes” lästernd über ihre Mädels. Die Dame erinnert mich immer wieder an die “Wucherin” in Dostojewskis Roman “Schuld und Sühne”.  An bestimmten Stellen scheint das “Tristan-Motiv” durch (von Franz Liszt für seinen Schwiegersohn Richard Wagner komponiert (Oper: Tristan und Isolde).    Erst mal viel Spaß beim Reinhören !

Hanns Eisler: Die Kupplerin

Und ich werde nicht mehr sehen

An den kleinen Radioapparat

Hanns Eisler wechselt häufig in ein und dem selben Stück seine Rhythmen von ursprünglich 4/4-Takt auf 3/4 oder 2/4 und auch 5/4.  Die zarten Töne in dem Lied “Und ich werde nicht mehr sehen”  spiele ich in dieser neuen Version mit einer Querflöte.  Hanns Eisler wurde in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wegen seiner Herkunft von den Deutschen verfolgt, und ab Mitte der 40er Jahre wegen seiner Gesinnung von den amerikanischen McCarthy-Anhängern:  er war des öfteren auf der Flucht und fand 1960 in der ehemaligen DDR Asyl.  

Hanns Eisler schrieb 1934 mehrere Balladen, von denen ich hier “Das Lied von der belebenden Wirkung des Geldes” vorstellen möchte.  Diese Ballade lässt mich seit einem Jahr nicht los:  zuerst fertigte ich mir eine reine Computerversion, um einen ungefähren Überblick zu bekommen.  Dieses 8-seitige Werk enthält Klänge, die noch nicht einmal ungewöhnlich sind – sie kommen in zahlreichen Stücken vor – nur nicht in dieser Zusammen-stellung wie bei Eisler. Klavier und Violine wurden meinerseits Ende Mai 2018 eingespielt.  Der Text der ersten Strophe von Berthold Brecht liegt diesem Lied folgendermassen zugrunde:

Niedrig gilt das Geld auf dieser Erden und doch ist sie, wenn es mangelt, kalt. Und sie kann sehr gastlich werden plötzlich durch des Geld’s Gewalt. Eben war noch alles voll Beschwerden, jetzt ist alles golden überhaucht. Was gefroren hat, das sonnt sich. Jeder hat das, was er braucht. Rosig färbt der Horizont sich. Blicket hinan: der Schornstein raucht !

Das Lied von der belebenden Wirkung des Geldes