Thüringen

Mittwoch, 04.07.2018  Ankunft in Bad Blankenburg Thüringen

Am Bertha-von-Suttner-Platz, dem südlichen Eingang  am Hauptbahnhof Düsseldorf kommen wir zusammen, um gemeinsam mit dem Intercity nach Erfurt und dort weiter nach Bad Blankenburg zu reisen, wo wir eine knappe Woche miteinander verbringen werden.  Die Deutsche Bundesbahn hat sich für heute entschieden, die Wagenreihung am Intercity zu ändern.  Michael und Volker verspüren den richtigen Riecher, am eigentlichen Ende des Zuges auf denselbigen zu warten, was auch genau richtig ist.  Die Ansage für die Änderung der Wagenreihung erfolgt ausschließlich für die erste Klasse.   Das Einsteigen und Aufhängen der Räder klappt vorzüglich.  Unterwegs an den weiteren Bahnhofsstationen sehen wir immer wieder Radfahrer, die zum anderen Ende des Zuges eilen,  weil sie vom sogenannten “Normalzustand” ausgehen, der sich zunehmend zum “Ausnahmezustand” entwickelt.  

Mit einer 20-minüten Verspätung erreichen wir Erfurt und kommen per RB 23 am Nachmittag in Blankenburg an, wo Rita und Klaus, die soeben aus Hamburg eingetroffen sind, uns entgegenkommen.  Die Wiedersehensfreude ist wie immer groß und wird heute ausgiebig mit guten Getränken und reichhaltigem Essen gefeiert.  Dabei stellen wir fest, dass 40 Prozent unserer 10-Teilnehmer-Truppe Dauerkarten beim Musikfestival in Rudolstadt gebucht haben, und 60 Prozent mit Rädern angereist sind und natürlich in die Pedale treten wollen.  Von diesen 60 % bzw. 6 Radlern sind 4 motorisiert und 2 Radler mit Mountainbike bzw. Trekkingrad ausgestattet. 

Donnerstag, 05.07.2018

6:30 h Frühgymnastik unter Volkers Fittichen: 

langsam warmlaufen, rückwärts laufen,  beim Laufen drehen, grätschen, beim Grätschen langsam Richtung Boden absinken, langsam lösen und wieder hoch.  Gleichgewichtsübungen:  der Yoga-Baum.  Hüft- und Beckenboden-gymnastik.  Und noch vieles mehr.

Übungen zu zweit: zwei Übende stellen sich gegenüber –  rechtes Bein hoch:  der Partner nimmt jeweils das rechte Bein des Gegenübers in die linke Hand:  dabei drehen und tanzen 😀 😀 😀 

Gegenüberstellen und dem Partner am rechten Ellbogen festhalten:  kräftig ziehen. Wechsel auf den linken Arm.

Partner stehen Rücken an Rücken aufrecht, haken gegenseitig die Arme ein und gehen Rücken an Rücken haltend in die Hocke –  😀 😀 😀   

Bodenübungen im Sitzen:  Beine hoch, 10mal nach links drehen, 10mal nach rechts drehen. 

Um sieben Uhr gibt’s Frühstück:  ein reichhaltiges Buffet wartet auf unseren Verzehr.  Unser 60%-Getränk:  1 Pott Kaffee-Kakao.  Rührei, Brötchen, Müsli, Kuchen:  alles steht bereit.  

Ab 9:00 Uhr schwingen wir uns auf die Räder Richtung Rudolstadt, die Stadt, die in den nächsten Tagen jeweils ca. 30.000 Besucher zählt, und das bei einer Einwohnerzahl von 9.000.  Es ist bereits warm und wird mit jeder Stunde zunehmend drückend schwül.  In Rudolstadt werden die Bühnen aufgebaut, ab 10 Uhr wird bereits Einlass in den Heine-Park gewährt.  Dauerkarten sind allerdings schon lange ausverkauft – aber man kann für ein Tagesticket anstehen. Wer eine Dauerkarte besitzt, kann ein Bändchen ergattern und die Schranken passieren.   Die 60%-Gruppe hat sich entschieden, die Räder zu bewegen, und so setzen wir uns vor Mittag noch in Bewegung zurück Richtung Hotel.  Auf diesem Weg entdecken wir die Landmolkerei Herzgut, die jeden Tag 200.000 Liter Milch verarbeitet.  Eine frische Buttermilch oder ein Frozen Yogurt ist uns im Moment herzlich willkommen. Schade nur, dass wir keinen Kühlschrank im Hotelzimmer haben, sonst hätten wir auch von dem reichhaltigen Käseangebot Gebrauch gemacht, zum Beispiel von den „Schwarzatalern“. 

Über uns schwebt eine einzige schwarze Wolke und regnet sich über unseren Köpfen aus.  Der Regen durchdringt zwar unsere Kleidung, aber auf dem nächsten zu fahrenden Kilometer Richtung Hotel trocknet die Nässe komplett aus.  Wir treffen uns nach Ankunft eine Stunde später zu einer 20-km-Tour – 24 km sind wir bisher gefahren – an der Schwarza entlang nach Schwarzburg.   Die Luft fühlt sich gewittrig an, während wir auf das Schweizer Haus zufahren, um hier zum Kaffee einzukehren.  Das Schweizer Haus steht an der Bundesstraße zwischen Bad Blankenburg und Schwarzburg auf 2/3-Höhe, die Steigung zwischen beiden Orten beträgt ca. 89 Höhenmeter,  in den Muskeln kaum zu spüren.  Dann kehren wir wieder in den Wald an die Schwarza zurück und bemerken hinter uns einen Himmel so schwarz wie der Ortsname.  Das Gewitter wird uns auf den letzten 3,6 km eventuell einholen. Ab und zu bleiben wir stehen, um die unterschiedlichen Flußgeschwindigkeiten der Schwarza zu bewundern:  das Wasser reicht nicht tief, dafür sind an einigen Stellen größere Granitsteine stufenförmig aufgeschichtet, die den Fluß aufwühlen.  

In Schwarzburg angekommen beobachten wir Goldwäscher im Fluß Schwarza, die hier gemäß Anzeigetafel ab 15:00 h ihr Gold suchen dürfen.  Hoch oben im Ort gäbe es noch eine Burg und einen Kaisersaal zu besichtigen.  Angesichts des Wetters werden wir heute nicht mehr dort oben auf weitere 100 Höhenmeter hochklettern.  Eine Dorfkirche, deren Dachspitze mit einer goldenen Kugel versehen ist, steht uns mit einer einladenden Geste von Albrecht Dürer für alle Radfahrer in Thüringen offen:  „Willst Du wissen, was Schönheit ist, gehe hinaus in die Natur: dort findest Du sie „ .    

So allmählich treten wir den Rückweg an.  Auf halber Strecke bleibt es uns nicht erspart, die Regenkleidung aus den Packtaschen zu holen.  Ferdi fährt schon mal ein Stück vor, Birgit und Volker bleiben noch ein paar Meter zurück.  Mit einem Male hat sich die Landschaft verändert:  wo wir vor zwei Stunden noch bequem durchradeln konnten, liegt der erste mächtige, entwurzelte Baum, die Krone vom Stumpf getrennt, quer auf dem Weg.  Erschrocken darüber, was sich wohl vor einer halben Stunde hier abgespielt hat, versuchen wir unsere Räder seitlich des Weges abwärts durch das Gestrüpp zu schieben.  Auf der anderen Seite des Baumes stehen einige einheimische Damen, die uns helfen, uns mit den Rädern wieder heraus zu helfen.  Schlamm, Nässe, rutschiger Untergrund macht es uns unmöglich, das erste Elektro-Fahrrad alleine hoch zu hieven.  Dann ziehen wir ein Fahrrad nach dem anderen am Vorderrad aus dem Unterholz, Hände reichend, bis wir alle oben sind, und sehen uns bestürzt die Szene an:  wir sind Gott lob – nicht schon vor einer halben Stunden hier im Chaos versunken.  Auf dem nächsten zu passierenden Kilometer liegen noch 6 weitere Bäume quer, nicht ganz so wuchtig, für deren Umrundung wir nicht ganz so tief hinunter steigen müssen.   Ein undurchdringliches Dickicht an Gehölz liegt hinter uns, wo ein Sturm eine breite Schneise geschlagen hat. 

Ein paar Tage später passieren wir diese Stelle noch einmal auf der Straße und stellen fest, dass der Fluß und auch die Straße an dieser Stelle in eine langgezogene Kurve gehen, wo der Wind möglicherweise die Baumkronen aus den Stämmen gedreht hat.   Der Schrecken sitzt tief, als wir zum Hotel zurückfahren,  den Blick ständig nach oben gerichtet, die Ohren weit geöffnet, ob noch irgend welches Knarren oder Knacken zu hören ist.  Im Trockenen angekommen, erzählen wir den ganzen Abend darüber  und vergleichen unsere Fotos.  Wr hatten Glück, dass bei dem noch lose hängenden Geäst nicht noch weiteres Holz herunter gekommen ist, während wir die Schneise passierten.   Unsere Musikfestival-Besucher kommen spät und durchnässt zurück, denn der Regen hört vor Mitternacht nicht mehr auf. 

Freitag, 06.07.2018 –  Saale abwärts nach Uhlstädt

Heute bewegen wir uns mit dem Strom Richtung Rudolstadt, auf unserem Radweg längs der Schwarza, die auf Höhe eines Chemieparks in die Saale fließt.  Auch den Chemiepark mit seinen quasi neuen blanken Rohren durchqueren wir längs auf dem Weg zur Saale.   Dort befindet sich eine Reihe älterer Leitungsrohre, die nicht mehr so gut anzusehen sind.  Vor dem Bahnhof wird der Radweg ein wenig eng und führt unter einer sehr niedrigen und engen Unterführung auf die andere Bahnseite.  Eine Reihe historischer Häuser schmücken die Stadt, und ein paar Meter hinter dem Bahnhof sieht man auf einer Anhöhe das Schloß Henrichenburg,  in deren Sälen heute und in den nächsten Tagen eine Reihe von Konzerten geboten werden.  

Zwei Fußgängerbrücken führen über die Saale in den Heinrich-Heine-Park – wir nehmen die östliche von beiden, um die Stadt südöstlich Richtung Catharinau zu verlassen.  Sobald wir wieder ländlich fahren, entdecken wir eine Menge kleiner Frösche, die von der Saale aus die hoch gelegene Straße auf die Felder überqueren: wir bremsen auch für kleine Frösche !  Soweit das Auge reicht, blühen rechts und links der Straße Kornblumen auf den Feldern, lassen die Felder blau schimmern,  zwischen dem Korn und unter der Sonne ein wunderbarer Anblick.   In Catharinau duftet ein Stall besonders ländlich und dort hängt ein Hinweisschild, das Volker auf dem Rückweg entdeckt.   Aber von nun an geht’s bergauf, bis Kolkwitz einigermassen peu à peu.  In Kolkwitz an der Kirche  wird Klaus’  Hinterrad erst mal ordentlich aufgepumpt und eine Schraube festgezogen.   Die Hände werden anschließend mit Brunnenwasser gesäubert. Klaus hat natürlich auch seinen “Feuerlöscher” mitgebracht, aus dem man leckere Sachen probieren kann, aber leider ist es zum Schmaus nicht gekommen, weil 50 % unserer 60%-Gruppe noch nicht darauf eingestellt war:   ich gehöre da eher zu den anderen 50% .  

Nach der kurzen Pause im Dorf Kolkwitz mit seinen hübschen Fachwerkhäusern führt der Weg weiter zur Burg Weißen, das heißt weiter hoch, und zwar ordentlich hoch.  Ich spüre meine Kette rumpeln, die am Vortag ziemlich viel Schlamm abgekriegt hat.   Und doch schaffe ich die 10-%ige Steigung ohne abzusteigen.  Oben auf der Burg angekommen, bietet sich uns ein Blick über  herrliche Thüringer Hügel  – die Luft ist so gut wie zuletzt vor 40 Jahren in Düsseldorf.   Nach Uhlstädt fahren wir die die gleichen Höhenmeter wieder herunter, zunächst an die Saale.  Hier finden wir auch einen Laden, wo ich Silikon-Spray  für meine Rumpelkette bekomme – die letzte Ölung ist schon eine Weile her.   Ab jetzt tritt es sich wieder viel ruhiger. 

Ein Flößermuseum findet sich unten an der Saale:   draußen steht ein steinerner Backofen, zwei Loren für Kohletransporte, ein Wanderer mit Stab, ein überdachter Grill, der im Moment genutzt wird, eine Linde, unter der eine Bank steht.    Wir überlegen, ob wir noch weiterfahren oder ob einige unter uns lieber die Sauna nutzen wollen und kehren über die gleiche 10%ige Steigung wieder auf den Saale-Radweg zurück nach Weißen und über Kolkwitz Richtung Catharinau.  Klaus gibt mir dank seines Motors ein wenig Rückenwind, so dass ich zum erstenmal spüre, wie kräftig die Unterstützung von Elektrorädern bei einer Steigung ist:  prinzipiell verführerisch.

Bald befinden wir uns wieder in Catharinau auf Höhe des ländlich duftenden Stalls, als Volker ein Schild bemerkt:  Rosels Partyservice – Thüringer Backspezialitäten.  Was es damit auf sich hat, wollen wir doch nun erfahren.  Wir fahren ein Sträßchen hoch, durch ein schmiedeeisernes Tor, aber es ist keine Bäckerei zu sehen.  Wir gelangen in einen Hof, sehen uns um und klopfen an einer Tür.  Eine Dame erscheint und fragt uns, “was wir wollen”.  Volker:  Sind Sie die Rosel?  Die Dame:  Ja, was wollen Sie?  Volker:  Kann man bei Ihnen Backspezialitäten kaufen?   Rosel:  nein,  ich backe nur auf Bestellung.  Ach, Sie wollten nur naschen?   Ich stelle Ihnen eine Auswahl zusammen, aber Kaffee kann ich Ihnen jetzt nicht bringen.   Wir:  macht nichts, au ja, prima, vielen Dank.  Wir warten ein paar Minuten, und dann kommt Rosel mit einem Tablett der feinsten Gaumenschmaus-Spezialitäten:  Nußkuchen, Mohnkuchen, Schokoladenkuchen, Sahnehäppchen in den unterschiedlichsten Geschmackrichtungen, mit Götterspeise, mit rosé Zuckerguss:  einfach himmlisch.   Als wir das Tablett zurückbringen, ist Rosel bereits wieder tätig,  ihre Hände sind voll Teig.  Wir bedanken uns herzlich:  das war eine Überraschung,  über die wir noch lange nachdenken.   Dann passieren wir wieder die schönen blauen Felder und hören dank des Westwindes Klänge vom Rudolstädter Musikfestival.   In der Stadt selbst herrscht nun lebendiges Treiben.  Pro Tag kommen ca. 33.000 Gäste in die Stadt, deren Bahnhofsstraße wir nun irgendwie passieren müssen. 

Wieder an der Saale, naschen wir ein paar Kirschen vom Baum und genießen noch einmal das Frozen Yogurt von Herzgut.    Zudem haben wir heute noch Glück, unser Lieblings-Restaurant: den Magdeburger Hof in Bad Blankenburg besuchen zu können, eine einmalige Gelegenheit während unserem hiesigen Aufenthalt.   Dieser heutige Tag war einfach klasse, zumal ich im Magdeburger Hof zufällig meinen absoluten Lieblings-Scotch:  Ardbeg Ten, entdecke, und den schönen Abend damit abrunden kann.  Ardbeg ist auf der west-schottischen Insel Islay eine der drei bekanntesten Whiskey-Brennereien, und ich freue mich, dass ich diesen reinen Zehnjährigen hier geniessen kann.  Auf einer großen Leinwand bekommen wir ein Fußballspiel der WM 2018 zu sehen:  Belgien : Brasilien – während eine Jugendgruppe lautstark für Brasilien brüllt, brüllen wir für Belgien zurück und kommentieren jeden Tritt in die richtige Richtung, mit Erfolg, wie sich gezeigt hat. 

Samstag, 07.07.2018 –  Saale aufwärts nach Saalfeld

Ein sonniger Tag beginnt wie gewohnt mit der Frühgymnastik um 06:30 Uhr und dem Frühstück.  Für meinen Rücken ist die Frühgymnastik besonders wichtig, weil sie alle Bein-, Rumpf- und Nackenmuskeln stärkt.  Eine Stunde nach dem Frühstück finden wir uns vor dem Hotel, um festzustellen, welcher Weg uns heute nach Saalfeld führt.  Ich habe zwar vor drei Jahren einen guten Weg gefunden und ihn mir aufs Navi gelegt,  aber wir lassen uns von einem routingfähigen Navigationsgerät über eine Landstraße führen, die mehrmals mindestens 50 Höhenmeter höher liegt als „mein“ Weg, und auch noch 2 Kilometer länger ist.  Dies ist nämlich der Unterschied zu meiner eigenen Fahrweise per Navi:  ich lege mir nach Möglichkeit vorher die Route fest, die ich fahren will, metergenau, und verlasse mich nicht auf die Autostraßen, die mir von dem routingfähigen Routenplaner genannt werden, die mich zwar auch zum Ziel führen, aber im Unterschied zu den von mir gewählten Wegen meistens nachteiliger sind. Ein routingfähiger Routenplaner geht stets auf Sicherheit und beschreibt keine Wege, die im Gebüsch oder im Acker landen.  Ich kenne selbst auch die Einstellungen am Gerät, die ich als Radfahrer wählen kann, so dass das Navi mir entweder Fußwege, Radwege oder Autostraßen  zur schnellsten oder kürzesten Route zur Auswahl gibt.  Inzwischen habe ich auch eine topografische Karte auf mein Gerät geladen und kann somit Hauptstraßen oder Höhen vermeiden.   So kann ich heute auf dem steilen Anstieg auf einer 10%igen Steigung nur dankbar sein, meine Beinmuskeln gut zu trainieren, denn die Muskulatur gedeiht hier im Thüringer Wald prächtig, und ich bin ganz froh, an keiner Bodenerhebung festzukleben und absteigen zu müssen.  Nur meine Lungenflügel hängen noch hinter den Beinmuskeln hinterher.  Aber auch hier ist seit gestern bereits eine Steigerung eingetreten.  Tja, man müsste hier wohnen, um fitter zu sein. 

Wir sind zu früh in Saalfeld, um durch die Stadt zu bummeln.  Während ich mich noch an einem  Stand aufhalte, trifft die Gruppe auf einen 94-jährigen Herrn,  der uns davon abrät, den Saale-Radweg komplett zu fahren,  „da wir wahrscheinlich nicht die einzigen seien, die  vom Rad absteigen werden“.   Bemerkenswert fand ich einen anderen Aspekt, von dem ich nach dieser Begegnung erst erfuhr:  dieser 94-Jährige, der wahrscheinlich 1924 geboren wurde, war einer der 6.000 Überlebenden, die 1943 in den Stalingrader Kessel hineinmarschiert sind und dort in Gefangenschaft gerieten.  Damals zu 110.000 Soldaten auf dem Weg war auch mein Vater, ebenfalls 1924 geboren und zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alt, allerdings dank eines Heimatschusses für den Rest des Krieges in einem polnischen Lazarett gelegen.  Solch einen Zeitzeugen zu treffen, ist schon etwas Besonderes – wer weiß, wie viele von den 6.000 Überlebenden heute noch leben?

Also fahren wir bis zur Mittagszeit auf dem Saaleradweg einige Steigungen flußabwärts, mal 7 %, mal eine halbe 12 %ige,  wobei uns der weitere Verlauf der Saale zu anstrengend wird.  Wir verweilen in Reschwitz an einer Infotafel zu Karl Christoph von Lengefeld, die uns über sein forstwirtschaftliches Prinzip der Nachhaltigkeit in der Natur informiert. Eine hölzerne Flamme des Friedens mahnt daran, stets im Sinne des Friedens zu denken und zu handeln.  Möglicherweise brennt diese Flamme nicht hoch genug, um Staatsleute zu erreichen, denen die Zerstörung wichtiger ist als der Frieden, weil der Frieden nicht wettbewerbsfähig ist.  

Gegen Mittag kommen wir nach Überwindung der 7%igen Steigung wieder nach Saalfeld zurück und können uns nun – soweit es in einer Gruppe möglich ist – in der Stadt umsehen.  Den Marktplatz säumen ringsum sehenswerte Häuser, so das Rathaus, die Kirche, in der eine Orgel aus dem Jahre 1894, erbaut von Wilhelm Sauer aus Frankfurt/Oder, zu sehen ist. 

In einer Conditorei am Markt, an die ich mich nicht nur wegen des reichhaltigen Angebots an verführerischen Kuchen und selbst kreierten Pralinen anlässlich eines Besuchs von vor drei Jahren noch gut erinnern kann, nehmen wir eine Kleinigkeit zu uns, bevor wir ebenerdig an der Saale unseren Rückweg zum Hotel nehmen.  Eine ausgedehnte Verschnaufspause am noch frühen Nachmittag kommt mir heute sehr gelegen.   

In Bad Blankenburg wird es zunehmend schwierig, ein passendes Restaurant zu finden, das nicht mangels Kundschaft in den Tagen des Rudolstädter Musikfestivals schließt.  So ziehen wir uns gegen Abend auch noch eine Pizza rein – bei meiner Pizza hilft Klaus dankenswerterweise noch bei einem Viertel mit, Rita schafft ihre so gerade noch alleine.   Aber Rita und Klaus haben auch einige Sorge um den Motor von Klaus Fahrrad:  Geräusche beim Treten – ist es der Motor oder nur die Kette?

Sonntag, 08.07.2018 –  Schwarzburg –  Sitzendorf – Meura  –  Leibis-Lichte-Talsperre

Gut ausgeschlafen fährt es sich besser – anscheinend war die vorletzte Nacht zu kurz, wenn man völlig ohne Grund länger wach bleibt oder zu früh wach wird.  Das gute Frühstück hält jedenfalls bis zum frühen Nachmittag gut vor, so dass man bis zum Abendessen mit nur kleinen Häppchen über die Runden kommt. 

Unterwegs auf der Straße Richtung Schwarzburg, stellen sich bei Klaus wieder die Fahrgeräusche ein, denen sofort nachgegangen wird.  Nachdem das Schutzblech abmontiert ist, zeigt sich, dass  ein abgebrochenes Plastikteil des Schutzblechs zu weit in den Kettenlauf ragt und die Geräusche verursacht. Nun herrscht  erst mal Ruhe im Tritt und ob es das einzige Problem ist, wird sich gegen Mittag zeigen.  Wir werden also heute die Bundesstraße nach Schwarzburg nehmen, weil der Radweg durch den Wald für Radfahrer und Fußgänger abgesperrt ist.  Etwa 2,5 km außerhalb von Blankenburg sehen wir in einer lang gezogenen Kurve die Bäume liegen, um die wir am Donnerstag nachmittag noch herum geklettert sind.  Wir steigen nur sehr langsam hoch, spüren es kaum in den Muskeln. 

Bald schon sind wir auf der Höhe des Schweizer Hauses und können die restlichen Kilometer zum Ort durch den unbeschadeten Wald fahren.  Auf dem Weg nach Sitzendorf passieren wir eine 12%-Steigung mit einer anschließenden riskanten Kurve, in der loser Schotter liegt, der bei unvorsichtiger Fahrweise leicht zu einem Sturz führen kann.  Einige Meter weiter entdecken wir das Schloß Schwarzburg sowie den Kaisersaal mindestens 100 Höhenmeter über uns auf der gegenüberliegenden Seite, dessen Fenster nicht mehr so ganz vollzählig verglast sind.  Wir würden gerne mal hochlaufen, aber das nehem wir uns für ein anderes Mal während einer anderen Gelegenheit vor.  So kommen wir am Schwimmbad vorbei, in dem sich gerade die ersten Gäste einfinden.  Hier beschreibt die Schwarza eine besondere Flußschleife, an deren Ende die Straße nach Rohrbach und Meura nach links abgeht.  Wir besuchen eben noch den Ort Sitzendorf, weil Volker uns ein bestimmtes Wappen auf einem Sportgelände zeigen will.  Dann geht es kontinuierlich angsteigend entlang der „schwarzen Sorbitz“  nach Rohrbach und Meura. 

Bis Rohrbach konnte man die Steigung so gerade spüren, aber ab jetzt geht es über einen Verlauf von fast 2 km 7%ig ganz anders  hoch.  Heute müssen die Elektroradler auch nicht so lange auf mich warten, weil ich mit dem noch verbliebenen Muskelradler Volker zusammen oben auf 575 HM ankomme.  Was für eine prächtige Aussicht:  unterwegs war die etwas kühlere Höhenluft wohltuend gut zu spüren.  Auf den eingezäunten Weiden bewundern wir die Pferde des Haflinger Gestüts Meura mit ihren blonden Mähnen. In diesem Gebiet weisen in jede Himmelsrichtung Schilder auf vorhandene Wander-Rundwege, also auch die schönsten Wanderungen durch den Thüringer Wald sind sehr gefragt. 

Ab jetzt geht es nur noch bergab, und bald schimmert uns das türkisblaue Wasser der Leibis-Lichte-Talsperre aus 525 Metern Höhe entgegen.  Ein Schutzhütte bietet uns einen wunderbaren Panorama-Anblick, für den es sich tatsächlich gelohnt hat, hier hoch zu steigen.  Ein gut ausgebauter Weg führt rund um die Talsperre, deren Staumauer wir nun anvisieren:  einfach beeindruckend.  Leider hat sich bei Klaus‘ Fahrrad nun doch ein Motorschaden ergeben,  so dass er mit dem Rad nur noch bergab fahren kann.  Der Weg führt jetzt auch abschüssig in den Ort Sitzendorf zurück; an der „Lichte“ entlang gelangen wir nach Oberweißbach zur Bahnstation, wo wir uns von Klaus für eine Stunde trennen, weil er mit der Bahn über Rottbach nach Blankenburg zurück fährt, wir wiederum an der Schwarza über Schwarzburg zum Hotel zurück fahren.  Gerne lassen wir uns auf der Strecke noch zu einem Kaffee und selbst gebackenem Mohnkuchen bzw. Kirschstreusel nieder:  es wäre zu schade, diese Spezialitäten einfach auszulassen.  Auf dem letzten Stück Bundesstraße ist heute nicht viel los, was an den vorangegangenen Tagen einen ganz anderen Eindruck hinterließ:  viel zu schnelle Sportwagen-Raser, die die Kurven schnitten, in den Kurven überholten und uns einen Wahnsinns-Schrecken einjagten. 

Wir kommen gut wieder im Hotel an, können ein paar Stunden verschnaufen, bevor wir heute abend im Hotel essen müssen, weil unser Lieblingslokal doch bereits geschlossen hat.  Spät kehren auch unsere anderen 40 % der Truppe von ihm Rudolstadt Musikfestival zurück, das heute abend mit einem Konzert endete.  Ein vierstündiges Konzert konnte ich glücklicherweise dank der Installation eines Radiorekorders mitschneiden.  So planen wir noch den  morgigen Tag durch, an dem sich die unterschiedlichsten Aktivitäten ergeben. Birgit,  Volker und Ferdi fahren morgen noch einmal nach Saalfeld, Oswald und Michael fahren nach Uhlstädt an die Saale, Rita und Klaus wandern zur Greifenstein-Burg hoch, wo Ferdi bereits vor einigen Tagen eine Flug-Show mit gezüchteten Greifvögeln erlebt hat.   Irgendwie bin ich heute zufrieden, vor allem deshalb, weil ich die Steigung von 200 HM auf fast 600 HM geschafft habe, ohne abzusteigen.  Geht doch ? 

Montag, 09.07.2018 –  Schwarzburg  –  Sitzendorf   –  Wanderung

 

Der heutige Tag wird ein fahrradfreier, genialer Bummeltag mit Lika und Renate, die während der letzten Tage auf dem Rudolstadt-Musikfestival dauerhaft untergetaucht waren, und mangels Fahrräder – es gab noch nicht einmal ein einziges Rad auszuleihen – ohnehin wandern wollten.  So planen wir eine Wanderung auf einem Höhenweg Richtung Schwarzburg auf ca. 480 HM in den Ort hinein.  Nach dem vorzüglichen Frühstück lege ich mir die Wanderstrecke auf mein Navi und schon bald gehen wir ganz entspannt durch den Ort Blankenburg, am Park vorbei und an hübschen Gartenanlagen, mit Blick auf die Burg Greifenstein, auf den Edelsteig zu, wo wir an einer Häuserreihe mit den schönsten Obst- und Blumengärten vorbeiwandern,  und wo unser Anstieg durch ein Waldstück beginnt.  Der Weg ist auch durch viel Geäst von oben versehen, so dass er an manchen Stellen nicht gut erkennbar ist.  Bis auf 370 HM klettern wir ziemlich gerade hoch, bis wir auf eine Lichtung gelangen, von der aus wir einen vorzüglichen Blick auf die gegenüber liegende Burg Greifenstein genießen, fast auf Augenhöhe.  Dort genehmigen wir uns ein Sitzpäuschen, um uns herum Felder, Wald, gute Luft, einige Hochsitze, einfach herrlich. 

Die beiden Mädels erzählen von ihren Erlebnissen auf dem Musikfestival,  ich berichte von den Raderfahrungen der letzten Tage.  Nichts treibt uns, wir können uns viel Zeit lassen.  Der weitere Weg verläuft an dem Örtchen Böhlscheiben vorbei auf der Landstraße nach Cordobang.  Die beiden Kilometer Straße beschreiten wir bei steigender Wärme, denn der Autoverkehr hält sich hier in Grenzen, und wir bekommen die schönsten Aussichten auf die umliegenden Höhen zu sehen.  Der Ort Cordobang ist für einen Montag ungewöhnlich ruhig, solch eine Ruhe kennen wir in Düsseldorf nicht mehr.  Natürlich gibt es auch immer wieder Gebäude, die bei uns schon längst abgerissen und durch Neubauten ersetzt worden wären, sie wirken ein wenig verlassen, dazu ein Wassertretbecken Marke Kneipp, stark mit Moos belegt, aber diese Mittagsidylle ist einfach bezaubernd.  Ein paar Meter laufen wir noch auf der ruhigen Hauptstraße, bevor unser Wanderweg nach schräg-links zuächst noch auf gleicher Höhe in einen Wald führt, später dann aber auch spürbar bergab geht. 

Wanderwege sind doch angenehmer zu gehen als der Straßen-Asphalt.  Durch die Bäume schimmern die Dächer von Schwarzburg, allerdings nicht dem Ort Schwarzburg, den ich bisher kennengelernt hatte, sondern von der „Oberstadt“, wo sich auch das Schloß und der Kaisersaal befindet.  Es ist uns allerdings um 13:30 h viel zu heiß, um jetzt ein Schloß zu besichtigen. So machen wir uns auf, in die Unterstadt an die Schwarza zu laufen, wobei wir uns wundern, wie weit die Stätten zufuß noch auseinander liegen.  Als wir die Radfahrer-Kirche mit dem goldenen Kreuz erreichen sowie den Goldwaschplatz und das Lokal, in dem wir gestern innerhalb der Radfahrergrupe den guten Mohnkuchen gegessen hatten, ist es bereits 14 Uhr, als wir auf einem Schild lesen, dass dieses Café um 15 Uhr öffnet.  Wir wandern zurück zu einem benachbarten Café, in dem wir genauso gut bedient werden und auch noch Informationen bekommen, wie wir am besten mit Öffentlichen wieder zurück nach Bad Blankenburg gelangen.  Ab 15 Uhr starten wir auf einen ca. 4 km langen Weg zur Bahnhaltestelle Sitzendorf-Unterweißbach, wo wir uns wiederum gestern von Klaus getrennt hatten.  

Die 12%ige Steigung ist ohne Fahrrad problemlos zu schaffen, auch passieren wir wieder die Gegend um das Schwimmbad mit Blick auf Schloß und Kaisersaal hoch über uns.  Wir gehen zwar nicht langsam, aber auch nicht in Eile durch den Ort Sitzendorf und gelangen auch zur Bahnstation.  Aber:  genau um 16:00 h kommen wir an der Bahnstation an – und sehen unseren Zug gerade abfahren.  Also dürfen wir uns hier erst mal eine Stunde ausruhen, denn der nächste Zug bringt uns um 17:00 h nach Rottenbach, wo wir einmal kurz umsteigen und nicht lange auf den Anschlußzug warten müssen.  Pünktlich finden wir zum vereinbarten Zeitpunkt mit der kompletten Reisegruppe zum abschließenden Abendschmaus im Steinhaus ein, unser letztes gemeinsames Mahl auf dieser Reise. 

Diese Naturfreunde-Freizeit war ein voller Erfolg:  besten Dank an Michael Hollstein für die gesamte Leitung und Birgit und Volker für die Organisation des Hotels, sowie Tourenleitung und Frühgymnastik.  Wir hatten ja wieder viel Spaß miteinander und hoffen auf ein gesundes Wiedersehen. 

 

 

 

 

 

Rennsteig – Thüringen 2014 und 2015

Wenn ich mich nicht recht erinnere, war das die Tour, bei der ich direkt auf der Zughinfahrt bei einer Zwischenstation in Kassel den mir von Volker entliehenen Fahrradhelm im Gepäckfach des Zuges habe liegen lassen.  Das soll nicht wieder vorkommen – das heißt aber auch nicht, dass ich für immer auf die Fahrt verzichte.   Denn ich bereite mich gerade gefühlsmässig auf ein freudiges Wiedersehen mit dieser anziehenden Landschaft vor.

Also vor wenigen Jahren fand unter der Leitung von Michael Hollstein die erste gemeinschaftliche Naturfreunde-Radtour auf einem Teilstück des Rennsteigs statt.  Um den Rennsteig einerseits kennen zu lernen, und andererseits das Folklore-Festival in Rudolstadt in diese Tour mit einzubeziehen, hat Michael in den Jahren zuvor schon ganze Vorarbeit geleistet, und fuhr mehrere Male  alleine dorthin,   holte nützliche Erkundigungen ein und bereicherte auf diese Weise die Tour. Die Bahnreise mittels verschiedener REs dorthin dauert im allgemeinen 8 Stunden, so dass wir um 17:30 h den Oberhofer Bahnhof erreichen, der auf ca. 600 Höhenmetern liegt. 

Um mit Rita und Klaus, die schon ein paar Tage auf dem Rennsteig unterwegs sind,  im Hotel ein erstes gemeinsames Abendessen einzunehmen, bedarf es jedoch einer ernsthaften Steigung von 200 Höhenmetern auf 2 km Entfernung.   Das Gute daran war, dass man beim Abendessen ohne an die Waage am nächsten Morgen zu denken, richtig zulangen konnte. Denn hier muss man auf Muskelleistung hinarbeiten, denn diese Thüringer Steigungen sind um mindestens 100 Meter höher als die Sauerländer Erhebungen, die mir meine Jugend im Hoch-Sauerland wieder aus tiefster Erinnerung wecken, z. B. wenn die Abendsonne auf die Nadelbäume strahlt.   Oberhof in Thüringen:  im Winter ein beispielloses Skiparadies, worauf man im Ort immer wieder hingewiesen wird, bietet auch im Sommer pure Erholung.    Beim ersten Besuch wandern wir abends noch durch den Ort und besuchen das große weiße stufenförmig gebaute Inter-Hotel Panorama, das Volker früher schon einmal besucht hat.  Beim zweiten Aufenthalt ein Jahr später besuchen wir Volkers Sohn in einer benachbarten Sportanlage, wobei nicht Rita und Klaus sondern diesmal Birgit mit von der Partie ist.  Sogar die Luft ist spürbar sauberer als in NRW, diese Gegend schließe ich sofort in die erstbeste Herzkammer. 

An unserem ersten gemeinsamen Tag besuchen wir einen benachbarten Naturlehrpfad, der wegen seinem feuchten Untergrund nur über hölzerne Stege begehbar ist.  Dann machen wir uns allmählich auf den Weg durch ein Waldstück, queren den Rennsteig-Tunnel in Richtung „Schneekopf“, einem 978 m hohen Berg mit Aussichtsplattform und der Neuen Gehlberg-Hütte.  Die Höhe bietet rund herum eine herrliche Aussicht einerseits auf den Ort Oberhof, aus dem das Panorama-Hotel weiß hervor sticht, auf den Teufelskopf im näheren Umkreis als auch auf unser Ziel für den heutigen Tag, das einige hundert Meter tief im Tal liegt: der Ort Masserberg und die benachbarte Goldisthal-Talsperre. Auch die imposante Zugbrücke kann man tief im Tal sehen.  Bis dahin genießen wir noch einige Meter in raschem Abwärts-Tempo auf dem Rennsteig,  entdecken auf der Strecke den still gelegten und als Ausstellung dienenden Bahnhof Rennsteig, den wir gegen Mittag erreichen uns ein wenig näher ansehen.  An einer Lichtung pausieren wir etwas länger, um die Thüringer Luft einzuatmen, allerdings auch um Klaus‘ Nachtisch:  einen Schnaps aus der Feldflasche, zu genießen. 

Ab Masserberg unternehmen wir noch eine Runde zur Goldisthal-Talsperre, ab der uns nun die „Schwarza“ in den nächsten Tagen begleiten wird.  Wir fahren unter der großen Zugbrücke hindurch, die wir vom Schneekopf aus sehen konnten. Wir fahren so nah wie möglich an einen Punkt heran, von der aus man die Talsperre gut sehen kann.  Dazu müssen wir allerdings einige Meter steigen, und es ist schon ordentlich warm in der Sonne.  Und da wir die letzten Meter auf der Zugangsstraße hinunter gefahren sind, dürfen wir diese Strecke zum Hotel auch wieder ansteigen.  Danach begutachten wir einige Schildkröten in einem kleinen Teich vor dem Haus und lassen uns unser Abendmenü gut schmecken.  Beim zweiten Besuch in dieser Gegend gastieren wir in einem Örtchen Katzhütte unweit von Masserberg. 

Der nächste Tag beginnt mit erfrischenden Morgentemperaturen und mit Volkers wohltuender viertelstündiger Morgengymnastik vor dem Hotel.  Nach dem Frühstück bewegen wir uns immer von dem Fluss Schwarza begleitet (der in die Saale mündet) Richtung Blankenburg.  Wesentliche Steigungen werden uns nicht mehr abverlangt, außer an der Schwarza mal eine relativ kurze 12%ige Steigung.  Auf der Strecke entdecken wir ein interessant aussehendes beinahe einer Bahnhofshalle ähnelndes Gebäude, dem Rita nachgeht und versucht, Informationen über den Zweck zu bekommen.  Im Umkreis von 5 km kommen wir dann zur „Bergbahnstation Obstfelderschmiede und Schwarzatalbahn“, verbunden mit einer S-Bahn-Station.  Klaus rechnet eine Steigung der Bergbahn von ca. 30 % aus.  Die Wagen klettern in einem eigentümlich steilen Winkel beinahe senkrecht hoch, und doch bleiben die Fahrgäste waagerecht stehen.      Der Weg führt jetzt ganz entspannt an der Schwarza entlang nach Schwarzburg, wo wir uns im Ort ein wenig versorgen können und kurze Zeit später im Forstbotanischen Garten eine einstündige Sonderführung bekommen.  Zwischen den Bäumen bietet sich uns wieder eine herrliche Aussicht auf das Schloß Schwarzburg.  Gegen Nachmittag trennen uns nur noch 10 km von unserem Ziel Bad Blankenburg, wo wir einige Tage verweilen werden – ich muss leider schon am übernächsten Tag wieder zurück. 

Immerhin bleibt uns noch ein angenehmer Sommertag zur Erkundung der Saale-Umgebung, einer Fahrt nach Rudolstadt, in dem auch in den Jahren 2014 und 2015 das Folklore-Musikfestival stattfindet, an dem Michael leidenschaftlich teil nimmt.   Im Jahr 2015 gelingt es mir, mit Michael eine Radtour zur Burg Greifenstein zu unternehmen.  Es wird am Folgetag und an den weiteren Tagen so heiß, dass ich bei 36 °C nur noch zufuß im Schatten der Schwarza entlang laufe, bzw. einen Fußweg nach Saalfeld finde, der gut begehbar und auch fahrradgeeignet ist.  Die Bewegungsfreude nimmt bei mir angesichts solcher Temperaturen erheblich ab.  Auf der Burg Greifenstein finden regelmässig Flugshows mit Greifvögeln statt, aber auch bei dieser Hitze werden die Vögel nicht los gelassen.  So kann ich nur hoffen, dass wir bei erträglichen Temperaturen noch einmal wieder kommen. Das Thüringer Land ist einfach bezaubernd.