Nordbahntrasse

Das Trassenfahren bereitet mir ein großes Vergnügen:  es handelt sich bei den Bahntrassen um ehemalige stillgelegte Bahnstrecken, auf denen die Schienen entfernt werden, die Trassen aber beibehalten und für den Fahrrad- bzw. Fußgänger-Verkehr freigegeben und asphaltiert werden.  Eventuelle Steigungen oder Gefälle verlaufen maximal im 1%- bis 2%-Bereich; sie befinden sich außerhalb der Autostraßen, d. h. die Verkehrsteilnehmer mit oder ohne Motor kommen dank der Trassen gar nicht erst in Berührung.  Inzwischen entsteht ein zusammen hängendes Netz von befahrbaren Trassen, so dass man zum Beispiel von Leverkusen-Opladen mitten ins Sauerland auf reinen Trassen fahren kann.  

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Aber auch im Ruhrgebiet und im Bergischen Land lässt es sich auf diese Weise bequem von einer Trasse auf die andere überwechseln, z. B. von Solingen aus existiert die Korkenziehertrasse, die sowohl zum Panoramaradweg Niederbergbahn führt (Haan – Wülfrath – Velbert – Kettwig Stausee 40 km), als auch eine Verbindung zur Nordbahntrasse hat (Wuppertal-Vohwinkel – Wuppertal-Oberbarmen 22 km), und sich von dort auf  einer weiteren Trasse über Sprockhövel nach Hattingen fortsetzt.    

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Die Nordbahntrasse existiert erst wenige Jahre, teilweise ist der Umbau noch im Gang.  Es werden Brückengeländer neu gestaltet, Zufahrten zur Trasse neu errichtet, Tunnel und Unterführungen gesichert bzw. ausreichend beleuchtet.   Für Kinder mit Spielplatzanlagen, mit Ruhebänken für die Älteren, mit attraktiven Cafés und Biergärten ausgestattet,  lässt es sich auf der Trasse in jedem Alter gut aushalten.   

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Ich plane im August meine erste Tour von Düsseldorf-Garath nach Hattingen Ruhr, quasi eine etwas andere Tour de Ruhr.  Dazu fahre ich an der Itter entlang nach Hilden, durchfahre die noch ruhige Mittelstraße, um so auf die Bundesstraße nach Haan und Wuppertal-Vohwinkel zu gelangen. 

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Die Fahrbedingungen sind optimal: passende Temperaturen, die größte Hitzewelle gerade vorbei, trockener Boden, mein neues Bike erst 5 Tage alt.  Dabei verzichte ich heute ausnahmsweise einmal auf Seitenwege, da die Bundesstraße B284 sehr linear bis Haan auf 200 HM ansteigt, womit ich die erforderliche Höhe hier bereits erreicht habe.  Hinter Haan verliert die Strecke einige Höhenmeter, die sich spielend wieder ersteigen lassen. Und das wars auch schon für die nächsten 17 km an wesentlichen Steigungen.  Und wenn ich mich an einer Baustelle nicht verfahren hätte, wäre ich schon eine viertel Stunde eher hier gewesen. 

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Kurz vor Vohwinkel kann ich auf die Trasse, die dann so wunderbar eben verläuft.  Jogger sind unterwegs, Rennradfahrer, Inline-Skater, Fußgänger, für einen Samstag-Morgen geradezu ruhig.  Nach 5 km passiere ich die Stelle auf Höhe von Wuppertal-Katernberg, an der ich alternativ  nach links in die Berge nach Velbert abbiegen könnte, um weitere 17 km Strecke zu sparen.  Doch ist der abkürzende Weg beschwerlicher, so dass ich besser auf der Bahntrasse bleibe.  In maximal einer Stunde durchquere ich Wuppertal, als ob ich in der Bahn sitze.  Links und rechts sind typische Bahnstrecken-Andenken erhalten geblieben, so zum Beispiel Bahnhofsgebäude, Überdachungen, Bahnhofsuhren und Beschilderungen, so dass die Assoziation an eine Bahnfahrt gegeben ist.  Auf der Karte sieht die Strecke eher aus wie eine Reihe von Sinuskurven. 

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Auf den Brücken Wuppertal zu erleben, das ist ja ein richtiger Spaß, die Aussicht über ganze Stadtteile grandios, wie das Kuhler oder Wichlinghauser Viadukt.  Die Lego-Brücke habe ich leider verpasst. Nun heißt es:  Licht einschalten, denn es folgt ein ziemlich langer Tunnel, der zwar beleuchtet ist, in dem man als Radfahrer ohne Licht nicht so direkt gesehen wird.  Das andere Ende des Tunnels ist erst später zu sehen.  Von dieser Sorte Tunnel folgen noch mindestens 5 auf dem weiteren Weg nach Hattingen, die Beleuchtung etwas besser und in verschiedenen Farben.   Ziemlich schnell bin ich auf Höhe von Wuppertal-Langerfeld, hier wechselt die Fahrtrichtung von Ost nach Nord, die Beschilderung nach Sprockhövel bleibt zuverlässig korrekt.  

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Nun wechselt der Weg von der Trasse kurzzeitig durch den Ort Langerfeld an einer Einkaufsstraße entlang zur Weiterfahrt Richtung Sprockhövel bis zum Bahnhof Schee.  So, ab hier ändert sich der Belag auf der Trasse zur Ruhr, die genau dort in Hattingen am Ruhrbahnhof endet, den ich auch anstrebe.    Es wird rings herum zunehmend ländlicher, die Trasse steigt sanft angeblich um 100 Höhenmeter bis Schee, allerdings merke ich mit dem Mountainbike kaum eine Anstrengung.  Danach fällt die Strecke genauso sanft wieder in Richtung Ruhr auf 60 Höhenmeter zurück.  
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Kaum vier Stunden sind vergangen, da befinde ich mich mitten in der Stadt Hattingen, verabrede mich mit meiner Familie an der Ruhr zum Angeln und verbringe noch einen wunderbaren Nachmittag draußen am Ruhrufer, wo  sich einige Kanufahrer an einer Wassertreppe austoben.    Heute gibt die Ruhr mindestens drei Barsche von 27 cm Länge her, und einige Tage später lässt sich mit viel Geschick, Geduld und auch Kraft ein 10 kg schwerer und 110 cm langer Wels aus dem Gewässer fischen.  Angeln hat was !   Nur den Rückweg werde ich heute mit dem Regionalverkehr ab Hattingen Bahnhof Ruhr antreten = zwei Stunden Fahrt. 

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